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Wachstum begrenzen oder auf Technologie wetten? Klimamodellierung verdeutlicht, dass «Degrowth» technologisch weniger riskant ist

02.06.2021

Ein neuer Artikel in der führenden Fachzeitschrift Nature Communications von Post-Growth Zürich-Kernteammitglied Lorenz T. Keyßer (ETH Zürich) und Manfred Lenzen (Universität Sydney) zeigt auf, dass Degrowth-Modellierungsszenarien die globale Erderhitzung auf 1.5 °C begrenzen können, während gleichzeitig technologische Machbarkeits- und Nachhaltigkeitsrisiken von Klimaschutz minimiert werden. Als Resultat würde das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jährlich 0.5 % sinken.  Mit heutigen technologischen Trends könnte ein Nullwachstum die globale Erderhitzung auf maximal 2 °C begrenzen.

 

Die Pressemitteilung der Universität Sydney ist hier zu finden.

Der erste umfassende Vergleich von Degrowth-Szenarien mit etablierten Modellierungspfaden zur Begrenzung der Erderhitzung unterstreicht das Risiko einer übermässigen Abhängigkeit von Kohlendioxidabscheidung, erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zur Unterstützung anhaltenden globalen Wachstums – doch auf anhaltendem Wirtschaftswachstum beruhen die Annahmen von etablierten globalen Klimamodellen.


Degrowth (deutsch auch Postwachstum) wird definiert als eine gerechte, demokratische Reduktion des Energie- und Materialverbrauchs unter Aufrechterhaltung menschlichen Wohlbefindens. Infolgedessen ist ein Rückgang des BIP wahrscheinlich. Degrowth fokussiert sich dabei auf Länder des globalen Nordens, da der Energie- und Materialverbrauch in den wohlhabenden Ländern – auch historisch – am höchsten ist. Solche Transformationen in wohlhabenden Ländern würden Freiräume schaffen für eine höhere Ressourcennutzung in einkommensschwachen Ländern, die dadurch grundlegende Bedürfnisse ihrer Bevölkerungen gewährleisten könnten.


Der Artikel der Wissenschaftler der ETH Zürich und der Universität Sydney vergleicht Szenarien mit hohem Wachstum und starkem technologischem Wandel, wie sie vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, auch Weltklimarat genannt) untersucht worden sind, mit Degrowth-Pfaden. Die Forscher veranschaulichen, dass durch die Kombination von weitreichenden, auf Suffizienz ausgerichteten sozialen Veränderungen sowie technologischen Verbesserungen, Netto-Null-Emissionen technologisch leichter erreicht werden können.


Derzeit berücksichtigen die integrierten Bewertungsmodelle (auch Integrated Assessment Modelle, IAMs) des IPCC und der etablierten Forschungsgemeinschaft gemeinhin keine Degrowth-Szenarien, in denen eine geringere Produktion und reduzierter Konsum im globalen Norden mit der Aufrechterhaltung des Wohlbefindens und dem Erreichen der Klimaziele kombiniert werden. Die etablierten Szenarien setzen stattdessen auf Kombinationen von beispielloser Kohlendioxidabscheidung aus der Atmosphäre und anderen weitreichenden, noch nie dagewesenen technologischen Veränderungen.


Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die internationalen Ziele, die globale Erhitzung auf 1.5 – 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, mit Degrowth in mehreren Schlüsseldimensionen leichter erreicht werden können:


  1. Degrowth im globalen Norden würde zu einem jährlichen Rückgang des globalen BIP um 0.5 % zwischen 2020 und 2040 führen. Es bliebe ein deutlich reduzierter Einsatz von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und negativen Emissionen nötig als bei den etablierten Pfaden.
  2. Die Begrenzung der Erderhitzung auf maximal 2 °C kann mit einem Wachstum von 0 % erreicht werden und ist gleichzeitig konsistent mit einem niedrigen Niveau von Kohlendioxidabscheidung (z. B. durch Baumpflanzungen) und einer geringen Steigerung der erneuerbaren Energien sowie von Energieeffizienz.


Überrascht zeigt sich Herr Keyßer von der Klarheit der Ergebnisse: «Unser einfaches Modell legt dar, dass Degrowth-Pfade in vielen der zentralen Kategorien klare Vorteile haben. Es scheint daher ein bedeutendes Versäumnis zu sein, dass Degrowth in der konventionellen Klimamodellierung gänzlich ignoriert wird.» Ausserdem fügt er hinzu: «Das übermässige Vertrauen auf spekulative Kohlendioxidabscheidung und Energieeffizienzsteigerungen bedeutet, dass wir katastrophale Klimafolgen riskieren, wenn eine der Annahmen nicht eintritt. Ausserdem kann die Kohlendioxidabscheidung schwerwiegende Nebenwirkungen mit sich bringen, zum Beispiel für die Artenvielfalt und die Ernährungssicherheit, wenn sie mit Biomasse erfolgt. Kurzum: Es bleibt eine riskante Wette.»


Auch der Koautor, Professor Manfred Lenzen, kritisiert die aktuellen Annahmen: «Der Einsatz umstrittener «Negativer-Emissions-Zukunftstechnologien» für den Versuch, mehrere hundert Gigatonnen Kohlendioxid zu entfernen – die in den IPCC-Szenarien angenommen werden, um das 1,5°C-Ziel zu erreichen –, ist mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.»


Mögliche Degrowth-Reformen

«Wir können mit Degrowth immer noch die Bedürfnisse der Menschen befriedigen, die Beschäftigung aufrechterhalten und die Ungleichheit reduzieren – und genau das ist es, was Degrowth von einer Rezession unterscheidet», sagt Keyßer. Zudem ergänzt er: «Ein gerechter, demokratischer und geordneter Degrowth-Übergang würde jedoch eine Verringerung der Kluft zwischen den Besitzenden und ärmeren Menschen beinhalten. Konkret mit einer gerechteren Umverteilung von wohlhabenden Nationen zu Nationen, in denen die Bedürfnisse der Menschen noch nicht erfüllt sind.»


Wenngleich bezüglich der globalen Umverteilung noch Forschungsbedarf besteht, gibt es bereits einige Punkte, wie eine Degrowth-Gesellschaft aussehen könnte:


  • Eine kürzere Arbeitswoche, was zu geringerer Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig steigender Produktivität und stabiler Wirtschaftsleistung führen würde.
  • Eine universelle, einkommensunabhängige Grundversorgung für lebensnotwendige Güter, wie z. B. Nahrung, Gesundheitsversorgung und Transport.
  • Höchstgrenzen für Einkommen und Vermögen, wodurch ein universelles Grundeinkommen eingeführt bzw. finanziert werden könnte und dadurch Ungleichheit reduziert wird.


Keyßer fügt zusammenfassend hinzu: «Diese Studie demonstriert die Fähigkeit von Degrowth-Szenarien, mehrere Schlüsselrisiken bezüglich der Machbarkeit etablierter, technologiefokussierter Szenarien zu minimieren. Sie ist ein wichtiger, erster Schritt um das Potential von Degrowth-Pfaden zu untersuchen.»

Professor Lenzen schliesst ab: «Ein vorsorgeorientierter Ansatz würde darauf hindeuten, dass Degrowth-Pfade mindestens genauso ernsthaft berücksichtigt und diskutiert werden sollten wie vergleichsweise riskante, technologiefokussierte Szenarien, auf denen die herkömmliche Klimapolitik basiert.»

Rückblick: Podiumsdiskussion zu Postwachstum

26.04.2021

Unser Kernteam-Mitglied, Leonard Creutzburg, diskutierte im März im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche Bern (organisiert von VW elles Bern) mit Professor Ralph Winkler (Universität Bern).

Die Diskussion, bei der Leonard als Vertreter von Post-Growth Zürich die Notwendigkeit von Postwachstim hervorhob, gibt es nun hier zum Nachhören.

Rückblick: Podiums-diskussion über Degrowth-Strategien für gesellschftlichen Wandel

10.03.2021

In unserer Podiumsdiskussion vom 9. März 2021, diskutierten die führenden Degrowth-Wissenschaftler:innen Julia Steinberger, Giorgos Kallis und Barbara Muraca darüber, wie Degrowth erreicht werden kann und welche Strategien dabei hilfreich sein können.

Zu Beginn hob Giorgos Kallis, Professor an der Autonomen Universität Barcelona, betonte, dass "ein Wachstum der Wirtschaft von 2-3% pro Jahr bedeutet, dass sie sich alle 24 Jahre verdoppelt." Er fuhr fort, dies hiesse, dass die Wirtschaft "am Ende des Jahrhunderts zehnmal so gross sein wird wie heute – eine irrationale Forderung".


Barbara Muraca, Professorin für Philosophie an der Universität von Oregon, stimmte dem zu und verwies auf aktuelle Veränderungen. Sie hob hervor, dass es jetzt "endlich möglich ist, Wachstum und das BIP zu hinterfragen. Durch Covid experimentieren viele Länder bereits mit Dingen wie dem Grundeinkommen und der Widerstand dagegen bröckelt."


Julia Steinberger, die an der Universität Lausanne Ökologische Ökonomie lehrt, konzentrierte sich auf die Frage des (Über-)Konsums. In diesem Sinne kritisierte sie die Vorstellung des "Je mehr, desto besser" und stellte fest: "Das ist die Geschichte, die uns erzählt wird, aber das stimmt empirisch nicht. Es sind Zeit, Freiheit, soziale Beziehungen und immaterielle Dinge, die das Leben besser machen."


Die Debatte, die von Lisa Deutsch (Eawag/ETH Zürich) moderiert wurde, dauerte etwa eineinhalb Stunden, und es wurden viele weitere Themen behandelt, die von konkreten, bereits umgesetzten Alternativen bis hin zu den Hindernissen reichten, die Degrowth in der Vergangenheit bereits überwunden hat.


Die englischsprachige Debatte wurde live auf YouTube gestreamt und kann hier angesehen werden.

Podiumsdiskussion: Degrowth-Strategien für gesellschftlichen Wandel

24.02.2021

Zahlreiche Krisen, von COVID-19 über die Klimakrise bis hin zum Zusammenbruch der biologischen Vielfalt, treffen die am meisten gefährdeten Menschen zuerst und am stärksten, wenngleich diese am wenigsten für diese Krisen verantwortlich sind. Gleichzeitig konzentriert sich der gesellschaftliche Mainstream vor allem auf technologische Lösungen, indem er sich für ein vermeintlich nachhaltiges Wirtschaftswachstum einsetzt. Im Gegensatz dazu streben Postwachstumsansätze einen radikalen Wandel an, um Gesellschaften zu schaffen, die ein gutes Leben für alle ermöglichen und gleichzeitig unabhängig von Wirtschaftswachstum sind. Doch wie kann solch ein gesellschaftlicher Wandel erreicht werden? Diese Frage diskutieren wir am Dienstag, 9. März 2021 um 19.30 Uhr mit Forscher:innen und Aktivist:innen, die in der Debatte engagiert sind:


  • Prof. Julia Steinberger (Université de Lausanne)
  • Prof. Barbara Muraca (University of Oregon)
  • Prof. Giorgos Kallis (universitat Autònoma de Barcelona)


Moderation: Lisa Deutsch (Eawag/ETH Zürich)


Die englischsprachige Veranstaltung wird hier auf YouTube gestreamt. Keine Anmeldung erforderlich.

© Viktoria Cologna

Vereinsgründung: Post-Growth Zürich ist nun ein offizieller Verein

07.01.2021

Im Laufe des letzten Jahres hat sich Post-Growth Zürich als Verein konstituiert und in den vergangenen Monaten haben wir alle notwendigen Formalitäten geklärt, sodass man dem Verein nun auch offiziell beitreten kann.

Die Gründungsmitglieder (Giulia Fontana, Raphael Portmann, Lorenz Keysser, Leonard Creutzburg, Viktoria Cologna) sind aktuell auch die fünf Vorstandsmitglieder, die gleichberechtigt über die Vereinspolitik entscheiden und die Entwicklung aktiv gestalten.

Mit der Vereinsgründung einher geht die Veröffentlichung unserer Webseite, auf der wir über unseren Verein als auch über Neuigkeiten informieren.

News

Online panel discussion: Sustainable business

26.03.2021

The Student Sustainability Commission (SSC) of ETH Zurich is organising an online panel discussion on sustainable business. It will take place on Tuesday, 30 March at 6.00 pm.


Our core team member, Leonard Creutzburg, will discuss about sustainable companies and many more related issues with Josephine Herzig (B Lab Switzerland) and Dr Johannes Herzig (ETH Zurich).

To join the discussion on Zoom, please click here.

Retrospect: Panel discussion on degrowth strategies for change

10.03.2021

In our panel discussion on 9 March 2021, the leading degrowth scholars Julia Steinberger, Giorgos Kallis and Barbara Muraca engaged in a debate on how to achieve degrowth and which strategies can be helpful within this process.

In the beginning, Giorgos Kallis, professor at the Autonomous University of Barcelona, highlighted that "growing the economy by 2-3% per year means doubling its size every 24 years." He continued that this means the economy will "be 10 times its current size at the end of the century – an irrational demand".


Barbara Muraca, professor of philosophy at the University of Oregon, agreed and pointed to changes currently happening. She said that now it is "finally possible to question growth and GDP. Through Covid, many countries already experiment with things like basic incomes and resistance to this is falling away."


Julia Steinberger, who teaches Ecological Economics at the University of Lausanne, focused on the issue of (over-)consumption. In that sense, she criticised the notion of 'the more the better', noting that "this is the story we are told, but that is not true empirically. It's time, freedom, social relations and intangible things that make life better."


The debate, which was moderated by Lisa Deutsch (Eawag/ETH Zurich), lasted about one and a half hours, and many more topics were covered, ranging from concrete alternatives already present to the barriers degrowth had overcome in the past.


The debate was live-streamed on YouTube and can be viewed here.

Panel discussion: Degrowth strategies for change

24.02.2021

Multiple crises, from COVID-19 and climate breakdown to biodiversity collapse, hit the most vulnerable but least responsible for these crises first and hardest. Meanwhile, the mainstream focuses on incremental, primarily technological, solutions by tweaking current socio-economic systems towards supposedly more sustainable economic growth. In contrast, a variety of degrowth approaches aspire radical societal change to create socio-economic systems that provide a good life for all while achieving independence from economic growth. But how can such radical societal change be achieved? We will discuss this question on Tuesday, 9 March 2021 at 7.30 pm with international researchers and activists engaged in the debate:


  • Prof. Julia Steinberger (Université de Lausanne)
  • Prof. Barbara Muraca (University of Oregon)
  • Prof. Giorgos Kallis (universitat Autònoma de Barcelona)


Moderation: Lisa Deutsch (Eawag/ETH Zürich)


The event will be streamed here on YouTube. You do not need to register.

© Edgar - unsplash.com

Foundation of an association: Post-Growth Zürich is an official association now

07.01.2021

In the past year, Post-Growth Zurich was constituted as an association and during the last months, we took care of all formalities, so that one can become an official member now.

The founding members (Giulia Fontana, Raphael Portmann, Lorenz Keyßer, Leonard Creutzburg, Viktoria Cologna) are currently also the five board members, who hold equal rights to decide on the association's policy and actively shape its development.

Parallel to our foundation, we published our website, where we inform about our association as well as news.

Termine | Dates

Hier finden sich unsere kommenden Termine, die allesamt öffentlich sind. Falls eine Anmeldung erforderlich ist, weisen wir darauf hin.

Our events are listed here. All of them are public and if registration is necessary, we indicate it.

Thursday, 17 June 2021 | 6.00 7.00 pm

Paper Discussion

Our core team member, Lorenz Keyßer, recently published the article 1.5 °C degrowth scenarios suggest the need for new mitigation pathways in Nature Communications, together with Manfred Lenzen (University of Sydney).

This is the first work to model global warming scenarios with assumptions based on degrowth, concluding that degrowth scenarios should be considered to limit global warming to 1.5 °C.

We will have the chance to discuss the paper with Lorenz at an online event.


You do not need to register. Just open this Zoom link to join.

Tuesday, 22 June 2021 | 6.00 7.30 pm

Post-Growth Reading Circle

In our upcoming reading circle, we will discuss the articles Digital degrowth innovation: Less growth, more play by Peter Howson and colleagues and Is less more ... Scaling the political ecologies of the future by Paul Robbins.


We will have the pleasure of having co-author of the former article, Xavier Balaguer Rasillo, join our discussion.


You do not need to register. Just open this Zoom link to join.

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